Die Weinprobe

Stefan Vögel

In Stefan Vögels spritzig süffiger Komödie werden edle Tropfen mit gepanschten Gefühlen bezahlt. Prädikat: ausgezeichnet!
„Du gibst mir etwas, was ich haben will, und ich gebe dir dafür etwas, das du haben willst.“
Nico ist ein Weinspezialist. Für die Aufnahme in die prominente Weinbruderschaft, die „Fraternité des Chevaliers“, muss er fünf französische Spitzenweine mitbringen, sie blind verkosten und auf Anhieb erkennen. Vier besitzt er schon. Den fünften, den begehrten 90-er Petrus, hat sein bester Freund Roman in seinem Portfolio. Das weiß Nico. Und er weiß auch, dass Roman seit Jugendtagen für seine Frau Danielle schwärmt. Als die Weinprüfung näherrückt, macht Nico Roman ein ungewöhnliches Angebot.
ausführliche Beschreibung
Für eine Flasche Haut-Brion legt Nico schon einmal ein Monatsgehalt hin. Dafür spart er beim Auto und streicht sogar den Urlaub. Sein größtes Ziel ist die Aufnahme in die „Fraternité des Chevaliers“. Um diesen Olymp der bacchantischen Weihen betreten zu dürfen, hat er allerdings eine schwere Prüfung zu bestehen.

Mit „fünf großen Franzosen“ muss der angehende „Chevalier“ vor das Gremium treten und sie bei einer Blindverkostung auf Anhieb erkennen. Vier davon hat er. Für den fehlenden fünften, den 90-er Pétrus, würde er sein letztes Hemd verkaufen. Roman, sein bester Freund seit Jugendtagen, ist klüger. Er wird als Anleger mit Wein nicht ärmer, sondern reicher. Um die Preise ins Astronomische zu treiben, müssen die Flaschen allerdings verschlossen bleiben. Roman hat drei Kisten des begehrten Pétrus in seinem Portfolio. Das weiß Nico. Und er weiß auch, dass Roman seit ihrer Schulzeit für seine Ehefrau Danielle schwärmt. Und dass Danielle einer „außerehelichen Verkostung“ vermutlich nicht abgeneigt wäre. Denn in ihrer Ehe gärt es schon lange.

Nico macht Roman ein Angebot: eine Nacht mit Danielle für eine Flasche Pétrus. Roman lehnt vorerst irritiert ab. Doch die Verlockung ist zu groß. Roman steigt schließlich auf den Tauschhandel ein, und Danielle steigt ahnungslos mit Roman ins Bett. Danach ist sie bereit, Nico reinen Wein einzuschenken und ihn zu verlassen. Doch Roman, der auch als Politiker am Karrieresprung nach oben ist, will vermeiden, dass sein Ruf knapp vor der Wahl „korkt“. Das tut bereits der Pétrus bei der Weinprobe. Nico ist vor dem Prüfungskomitee blamiert und fällt durch. Die strengen Weinbrüder geben ihm jedoch noch eine Chance.

Eine zweite Flasche Pétrus muss her, und das schnell. Diesmal lehnt Roman entschieden ab. Den wahren Grund für den Verzicht auf eine weitere Liebesnacht kennt nur er. Aus Zorn verrät Nico den Deal Danielle, die immer noch glaubt, Roman verführt zu haben. Nico droht, an die Öffentlichkeit zu gehen und fordert für sein Stillschweigen nicht nur die zweite Flasche Pétrus, sondern auch einen lukrativen Job für Danielle in Romans Parteibüro. Danielle, nicht mehr samtig weich, sondern bissig und spitz, spielt mit.

Verrat und Lügen drehen sich wie die Gerbsäuren im Wein. Doch schon die Römer wussten: in vino veritas. Der Pétrus lüftet dunkle Geheimnisse, die sogar die Polizei interessieren. Danielle ist von ihren „Männern“ bitter enttäuscht und rächt sich auf eine Weise, wie nur Frauen es können: trocken und nüchtern.

Es gibt sie tatsächlich, die verrückten Weinliebhaber, die für einen französischen Spitzenwein ihre Mutter verkaufen. Oder ihre Frau. Für seine elitären Ziele verstrickt sich Vögels Trio in ein Netz von Betrug und Erpressung. Dass für den sündteuren Rebensaft mit gepanschten Gefühlen gezahlt wird, gibt dem Spiel eine herbe Note. Und wie es im Weinjargon so schön heißt: Der Abgang ist unsauber. Doch bevor nach dem letzten Tropfen die Freundschaft absäuft, wird‘s zum Glück wieder spritzig, harmonisch und äußerst süffig.
1D 2H
Komödie, Schauspiel
UA: 31.10.2019, Wald4tler Hoftheater, Pürbach
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