Maria Lazars letzter großer Text
Wer bist du? Auch einer? So wie ich?
Ein britischer Kampfpilot und ein deutscher SS-Sturmmann liegen sich als Feinde schwerstverwundet auf einem Schlachtfeld in der Wüste gegenüber. In ihrer letzten Stunde beginnen sich die beiden jungen Männer zu umkreisen. In inneren Monologen gedenken sie ihrer Liebsten zuhause, lassen die eigene Vergangenheit und Gegenwart vor dem geistigen Auge aufflammen. Doch der Krieg kennt keine Versöhnung. Eine Verständigung bleibt bis zuletzt unmöglich.
In diesem Text, vermutlich Lazars letzter fertiggestellter Arbeit, im schwedischen Exil entstanden, als sie bereits von schwerer Krankheit gezeichnet war, setzt sie sich noch einmal mit den großen Themen ihres Lebens und Schreibens, den großen Themen des 20. Jahrhunderts – Faschismus, Antisemitismus, Krieg und der Frage nach persönlicher Verantwortung – auseinander. Ein sprachlich dichtes, formal wagemutiges Vermächtnis.
ausführliche Beschreibung
Eine Wüste. In den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs. Auf einem verlassenen Schlachtfeld liegen zwei Soldaten im Sterben. Sie können einander nicht sehen, aber sie hören den jeweils anderen. Der eine ist ein englischer Flieger, der andere ein deutscher Soldat. Sie sprechen zu sich, manchmal leise, manchmal laut, so dass der andere es hört. Immer wieder versuchen sie Kontakt aufzunehmen, sehnen sich nach Nähe, schrecken wieder zurück – ist das ein Mensch da gegenüber? Ein Feind? Ein Tier?
Sie lassen in kunstvoll verschränkten Monologen ihr Leben Revue passieren. Sie reden über ihre Familie, ihre Freunde und Geliebten, die Anfänge des Krieges. Der eine, SS-Sturmmann, hineingeboren in eine Familie glühender Nationalsozialisten, berauscht vom Faschismus und roher Gewalt. Der andere, zum Gut-Sein erzogen, hineingerissen in den Krieg.
In den letzten Minuten ihres Lebens steigern sich ihre Fieberphantasien in Apotheosen des Friedens und eines totalen Endsiegs, der Himmel und Erde erfasst. Am Ende fällt ein Schuss.
In diesem Text, vermutlich Lazars letzter fertiggestellter Arbeit, im schwedischen Exil entstanden, als sie bereits von schwerer Krankheit gezeichnet war, setzt sie sich noch einmal mit den großen Themen ihres Lebens und Schreibens, den großen Themen des 20. Jahrhunderts – Faschismus, Antisemitismus, Krieg und der Frage nach persönlicher Verantwortung – auseinander. Ein sprachlich dichtes, formal wagemutiges Vermächtnis.
„Zwei Soldaten ist ein Protokoll der Begegnungsunfähigkeit und der Fruchtlosigkeit allen menschlichen Strebens. Eine strenge literarische Versuchsanordnung, in der es am Schluss heißt: Rien ne va plus.“
Thomas Mießgang, Die Zeit, 08/24
„Ein theatertauglicher Text, der sich wie eine Parabel auf die Jetztzeit liest.“
Margarete Affenzeller, Der Standard, 3. April 2024
„... ein beeindruckendes Werk. Über 70 Jahre lag es vergessen und unveröffentlicht in Lazars Nachlass und hat doch kein bisschen Staub angesetzt.“
Tim Felchlin, SRF Kultur kompakt, 9. Jänner 2024