Zivilcourage

Emil Breisach

Darf man eine Vorschrift brechen, um ein Leben zu retten?
In einer verschneiten Nacht bittet der Arzt Dr. Pfaudtner den Stationsvorstand Meyrinck um eine Draisine: Seine Tochter Hanna leidet an einer akuten Blinddarmentzündung und muss dringend operiert werden. Doch auf der eingleisigen Strecke wird ein Schnellzug erwartet. Meyrinck versucht vergeblich, über den Dienstweg eine Genehmigung zum Anhalten des Zuges zu erhalten. Während die Vorgesetzten zögern und sich für nicht zuständig erklären, drängt die Zeit. Schließlich übernimmt Meyrinck selbst die Verantwortung und lässt die Draisine abfahren.

Die Entscheidung endet in einer Katastrophe: Die Draisine kollidiert mit dem Zug, der Eisenbahner Schagl kommt ums Leben, mehrere Reisende werden verletzt. Pfaudtners Tochter dagegen kann gerettet werden. Nun wird Meyrinck vor Gericht gestellt. Im Prozess geht es bald nicht mehr nur um seine Schuld, sondern um die Verantwortung jener Beamten, die sich hinter Vorschriften und Zuständigkeiten versteckt haben. Während die Staatsanwaltschaft Meyrincks eigenmächtiges Handeln als unverantwortlichen Leichtsinn wertet, stellt sein Verteidiger die entscheidende Frage: Was ist ein Gesetz wert, wenn es einen Menschen daran hindert, einem anderen in Lebensgefahr zu helfen? Das Stück überlässt die Antwort schließlich dem Publikum – das Urteil liegt ausdrücklich „in den Händen der Geschworenen“.
3D 10H
3 Dek.
Schauspiel