Basierend auf einer wahren Geschichte erzählt Harald Friedl das Überleben einer jungen Jüdin im Dritten Reich.
Harald Friedls Drehbuch basiert auf der Lebensgeschichte von Helene Popper und Philip Seinfeld. In berührenden Szenen und mit starken Bildern erzählt er eine unglaubliche Geschichte vom „Wunder des Überlebens“.
Die zehnjährige Clara Popper wird 1934 aufgrund der politischen Spannungen in Österreich zu ihren Brüdern nach Brüssel geschickt. Nach der deutschen Besatzung Belgiens gerät die jüdische Familie zunehmend in Gefahr. Durch den deutschen Wehrmachtssoldaten Erich Wilke erhält Clara gefälschte Papiere und wird auf einen Bauernhof in Deutschland gebracht, später auf das Jagdschloss Göhrde. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wird ihre Tarnung 1944 entdeckt. Clara wird nach Auschwitz deportiert, überlebt medizinische Experimente und weitere Lager. Nach der Befreiung beginnt sie ein neues Leben, findet Liebe und gründet eine Familie. Jahrzehnte später kehrt sie an den Ort ihrer Rettung zurück und kann sich erstmals mit ihrer Vergangenheit versöhnen.
ausführliche Beschreibung
Als die politischen Spannungen zwischen Sozialdemokraten und Regierung in Österreich 1934 eskalieren, wird die zehnjährige Clara Popper zu ihren erwachsenen Brüdern nach Brüssel verschickt. Die Zwillinge Toni und Willi betreiben dort ein Galanteriewarengeschäft, das Popper Jumelles. Die Eltern kommen zwei Jahre später nach.
1940 wird Belgien von den deutschen Truppen besetzt. Als die „Umsiedlungen“ beginnen, wird für die jüdische Familie Popper endgültig klar, dass es in Belgien keine Zukunft für sie gibt. Nur wohin? Nach Wien zurückzugehen ist keine Option, dort ist es noch schlimmer als hier. Die Brüder wollen nach Kolumbien auswandern. Ihre Überlegungen werden durch Erich Wilke, einen Gefreiten der deutschen Wehrmacht, unterbrochen. Er verlangt Seidenstrümpfe – sowas gibt es in Deutschland nicht mehr. Zum Erstaunen aller, ist er nicht nur ausgesprochen höflich, sondern auch bereit, für die Strümpfe zu bezahlen.
Wilke wird zum Freund und Vertrauten der Poppers. Er verschafft Clara einen sogenannten Volkstumsausweis. Auf der Kommandantur hatten sie einen zu viel bekommen, den hat er für sie „abgezweigt“. Sie steht nun „unter dem Schutz des Großdeutschen Reiches“.
Er hat Clara auch ein Arbeitsbuch beschafft. Damit kann sie zu seiner Frau, Anneliese, auf den Hof in die Lüneburger Heide, bis sich die Lage wieder beruhigt hat. Auf einem Bauernhof wird ein junges Mädchen leichter übersehen. Briefe darf sie allerdings keine schreiben, das ist zu gefährlich.
Clara lebt sich auf dem Hof der Wilkes gut ein. Sie arbeitet und spielt mit den Kindern, gehört bald zur Familie. Doch dann wird Ortsbauernführer Barge, eine regionale Nazigröße, auf Clara aufmerksam. Volksdeutsche soll das Mädchen sein? Nie und nimmer.
Anneliese Wilke verschafft Clara daraufhin eine Anstellung auf dem Jagdschloss Göhrde. Clara ist wütend und enttäuscht, dass Anneliese sie im Stich lässt. Göhrde ist das Jagdschloss von Reichsmarschall Hermann Göring.
Im Winter 1942 kündigt Göring seinen Besuch an. Clara fühlt sich vor Angst wie versteinert. In der darauffolgenden Nacht erwacht sie aus einem Alptraum. Draußen blitzt und donnert es. Allerdings ist es kein Gewitter, es ist der Krieg, der näherkommt. Ein Bombenhagel geht auf die 30 Kilometer entfernte Stadt Lüneburg nieder. Der Krieg hält den Reichsmarschall jedoch nicht von seinen Jagdausflügen ab. Nach einem persönlichen Zusammentreffen mit Göring, das zwar harmlos verläuft, bei dem Clara jedoch zum ersten Mal in ihrem Leben Todesangst empfindet, verlässt sie Göhrde. Sie möchte zu ihrer Familie und kehrt nach Brüssel zurück. Über dem Geschäft steht nun Jansen Galanterie. Von Mme. Muller, der Hausmeisterin, erfährt sie, dass die Eltern „umgesiedelt“ wurden. Die beiden Brüder wären zu dem Zeitpunkt schon weg gewesen. Portugal, glaubt sie.
Mit ihrem Arbeitsbuch und dem Zeugnis von Göhrde spricht die achtzehnjährige Clara im „Büro für Volksdeutsche“ vor. Sie behauptet, eine Tante in Berlin zu haben, deren Mann gefallen sei. Um die müsse sie sich kümmern. In Berlin arbeitet Clara bei Siemens. Im Herbst 1944 erhält sie eine Vorladung von der Gestapo. Ihr Volkstumsausweis wird als Fälschung erkannt, sie wird zum Sammelplatz für Juden in Berlin-Moabit und von dort nach Auschwitz gebracht. Die Selektion wird von Josef Mengele durchgeführt. Sie wird einem Arbeitskommando zugeteilt und bekommt eine Nummer in den Unterarm tätowiert.
Im Lager herrscht ständiger Hunger. Man isst alles, was sich finden lässt, auch wenn es das Brot von Sterbenden ist. "Auch du wirst deine Toten nicht vergessen. Aber sie werden bei dir sein, als die, als die du sie kanntest. Ich aber kann meine Toten nicht mit mir nehmen, denn sonst komme ich nie mehr aus diesem Lager raus. Jedes Mal, wenn sie mich auch nur kurz besuchen, bin ich sofort wieder dort und frage mich, was SIE empfunden haben drinnen, bevor…"
Mengele missbraucht Clara für seine medizinischen Experimente. Durch eine bewusste Infektion der Eierstücke versucht er Unfruchtbarkeit hervorzurufen. Sie bietet alle Kraft auf, um trotz Krankheit und Schmerzen nicht „ausselektiert“ zu werden.
1945 wird sie von Auschwitz nach Ravensbrück überstellt. Dem Schwedischen Roten Kreuz gelingt es mit Unterstützung des Internationalen Roten Kreuzes im April 1945 rund 7000 Frauen aus dem Lager zu evakuieren. Darunter auch Clara. Sie kommt in ein Krankenhaus nach Göteborg, wo sie gesund gepflegt wird.
Im Spätsommer 1945 kehrt sie nach Brüssel zurück und erhält eine Anstellung bei der Zentrale des Britischen Geheimdiensts. Ihre Aufgabe ist es Briefe auf verdächtige Inhalte zu untersuchen. In der Tanzbar Fregatte lernt sie den Soldaten der Jewish Brigade Paul kennen. Es ist eine zögerliche Annäherung. Clara ist abweisend, doch Paul bleibt hartnäckig. Es gelingt ihm schließlich, sie zu einem gemeinsamen Ausflug ans Meer zu überreden. Auf der Zugfahrt bricht endgültig das Eis zwischen den beiden. Während eines Strandspaziergangs erzählt Paul seine Geschichte. Er war auf Betreiben der Mutter über Holland nach Palästina ausgewandert. Zwei der Geschwister sind in Holland geblieben, von ihnen hat er nichts mehr gehört. Die anderen sind nach England ausgewandert. Auch Clara beginnt über ihre Familie und ihre Geschichte zu erzählen.
Clara stellt Nachforschungen über den Verbleib ihrer Familie an. Mutter und Vater wurden in Sobibor ermordet. Die Brüder Wilhelm und Anton sind auf keiner der Listen zu finden. Sie klammert sich an die Hoffnung, dass sie davongekommen sind.
Bei ihrer Arbeit wird Clara auf einen Brief aufmerksam. Der Name des Absenders ist abgekürzt, die Adresse ist die einer Polizeistation am Prenzlauer Berg. Als Empfänger ist das Popper Jumelles angegeben. Der Brief ist von Erich Wilke, der einst ihre Papiere gefälscht hatte und sich nun nach dem Schicksal der ehemaligen Inhaber erkundigt. Clara ist von diesem Brief zutiefst verstört. Ob sie reagieren wolle, fragt Paul. Nein, denn ihre Eltern sind tot und Wilkes Frau hatte sie den Nazis ausgeliefert. Der ganze Brief sei reine Heuchelei.
Als die Jewish Brigade abgezogen wird, geht Clara mit Paul nach Palästina. Sie heiraten und bekommen – trotz Mengeles Experimenten - einen Sohn, Arie.
Erst 1970 kommen Clara und Paul wieder nach Deutschland. Arie absolviert gerade ein Praktikum in Hamburg. Auf dem Weg dorthin durchquert der Zug die Lüneburger Heide. In Hamburg angekommen, spricht Clara ausnahmsweise über Erinnerungen an die Nazizeit in der Lüneburger Heide. Arie versteht, dass seine Mutter von ihren Erinnerungen nicht loskommt und stellt einen telefonischen Kontakt mit Anneliese Wilke her. Er zwingt Clara förmlich dazu mit ihr zu sprechen. Während des Telefonats verändert sich Claras Stimmung, ihre Miene hellt sich sichtbar auf.
Am nächsten Morgen fahren sie zu Wilkes auf den Hof in Grippel an der Elbe. Anneliese Wilke offenbart Clara den wahren Grund, warum sie sie nach Schloss Göhrde gebracht hat. Barge hatte den Verdacht, dass Clara eine Jüdin mit gefälschten Papieren war.
"Ich hab‘ einfach geglaubt, wenn du erst mal dort bist – im Jagdschloss von Göring – dann fragt keiner mehr… ob das `ne Jüdin ist, die da in der Küche arbeitet! Unvorstellbar. Da bist du sicherer als sonst wo, hab‘ ich mir gesagt. Ich hab mir gesagt, Höhle des Löwen, da ist sie sicher."
Clara sieht so gelöst und fröhlich aus wie seit ihren Jugendtagen nicht mehr. Sie ist, soweit das möglich ist, mit ihrer Vergangenheit versöhnt.