Altwerden kann man später noch
„Und ich dachte immer, im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat.“
Maria, Agnes und Josefine verbringen den Herbst ihres Lebens in der Seniorenresidenz Abendrot. Die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit verlaufen nicht mehr ganz so klar. Die drei alten Damen zelebrieren die Erinnerung an das frühere Leben und vertreiben sich mit Bridgepartien in schwindender Besetzung und kleinen Häkeleien das Übermaß an Zeit. Beerdigungen samt Trauerreden zählen zu den Höhepunkten des grauen Alltags. Doch das ändert sich abrupt: Der neue Pfleger Patrick wird von den drei unerschrockenen Ladies zum Strippoker verpflichtet und bringt frischen Wind ins Haus. Noch lebendiger wird's, als der charmante Bruno zur Damenrunde stößt und die Herzen höher schlagen lässt. Als eine unbekannte Frau nach ihrer Mutter sucht, finden Geheimnisse aus der Vergangenheit in der Gegenwart ihre Lösung.
ausführliche Beschreibung
Maria, Agnes und Josefine sind ein eingespieltes Damen-Trio in der Seniorenresidenz Abendrot. Sie vertreiben sich die Zeit mit Bridgepartien, besprechen die aktuellen Trauerfeiern zu Ehren eines verschiedenen Heiminsassen und halten sich mit gegenseitigen Sticheleien frisch und munter. Als der junge Pfleger Patrick seinen Dienst antritt, wird er gleich unter die Fittiche genommen und beim Strip-Poker beinahe um sein letztes Hemd erleichtert. Dabei war es Patrick, der bis dato andere erleichtert hat, etwa alte Damen um ihre Handtaschen. Patrick ist auf Bewährung. Er büßt seine Strafe im Sozialdienst ab und wird von Maria, Josefine und Agnes voll in Anspruch genommen.
Die drei „Mädels“ sind zwar im fortgeschrittenen Alter, aber keineswegs von gestern. Maria ist die Gutmütigkeit in Person und überdeckt mit kindlicher Naivität ihre innere Traurigkeit und einen wunden Punkt in ihrem Leben. Agnes ist so vergesslich, dass es ähnlich Betroffenen weiter nicht auffällt und unterm Strich recht unterhaltsam ist. Sie switcht in geriatrischer Verwirrung zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Gegenwart, bei Quizsendungen gerät sie in Exstase, sie trällert gern ein Lied, wenn sie unbeobachtet ist und träumt von ihrem Dr. Winkler, dem leider vergebenen Schwarm ihrer Jugend. Und Josefine - die blickt mit Wehmut und Stolz auf ihre vergangene Theaterkarriere zurück und legt immer noch größten Wert auf eine klare Artikulation.
Als der charmante Bonvivant Bruno als neuer Mitbewohner einzieht, blühen die Damen auf. Josefine hat mit Bruno einst Triumphe auf der Bühne gefeiert. Sie ist überzeugt, dass er seit 50 Jahren unglücklich in sie verliebt ist und nun die späte Erfüllung seiner Leidenschaft sucht. Bruno hat jedoch ganz andere Gründe für sein Erscheinen, und die haben nicht mit der Eroberung von Josefines Herzen zu tun. Auch geht seine Leidenschaft in eine ganz andere Richtung als allgemein erwartet. Agnes sieht in ihm, wie in allen Männern, ihren geliebten Dr. Winkler und will mit ihm durchbrennen. Und Maria, die freut sich über den als Tony Christie verkleideten Patrick, der ihr mit einem Medley den Geburtstag verschönt. Denn sonst ist da niemand, der noch zu ihr kommt. Oder doch?
Eines Tages kündigt eine Unbekannte ihren Besuch an. Natalie ist auf der Suche nach ihrer Mutter, die sie einst zur Adoption freigegeben hatte. Doch wer von den drei Damen ist das? Und welches Schicksal verbirgt sich hinter dieser schmerzhaften Familiengeschichte?
Folke Brabands Golden Girls vom Seniorenheim kann man nur liebhaben. Braband gelingt die gesunde Mischung aus Komik, die das Alter erträglich macht und einer verzweigten Geschichte, die sich leise ankündigt und nach und nach auflöst. Die alternde Diva Josefine, die warmherzige Maria, die verwirrte Agnes, der junge Pfleger mit saloppen Sprüchen, der ergraute Bühnenheld von einst: Das ist eine gelungene Besetzung, die garantiert, dass im sogenannten Ruhestand noch lange kein Stillstand aufkommt.