Ausgeburten der Hölle

(Fastes d'Enfer)

Michel de Ghelderode

Ein Bischof kehrt von den Toten zurück – und die Hölle bricht los.
Der gefürchtete Bischof Jan in Eremo ist gestorben. Während vor dem Bischofspalast eine aufgebrachte Menschenmenge seinen Leichnam fordert, bereitet sich der Klerus auf die Beisetzung vor. Die Geistlichen sind erleichtert über den Tod des eigenwilligen Kirchenfürsten, der ihnen Heuchelei vorwarf und dem Volk als Heiliger und Wundertäter gilt.

Jan in Eremo war einst während einer Pestepidemie zum Retter der Stadt geworden und hatte sich eigenmächtig zum Bischof erhoben. Vom Volk unterstützt, konnte er sich sogar gegen Kirche und Obrigkeit behaupten, bis Rom seine Stellung schließlich anerkannte. Nun wollen seine Nachfolger sein Andenken möglichst rasch beseitigen und wieder die Kontrolle über die Diözese gewinnen.

Doch der vermeintlich Tote erhebt sich plötzlich vom Katafalk. Zwischen Leben und Tod gefangen, taumelt er durch den Palast und versetzt die Geistlichen in Panik. Während draußen das Volk den Palast stürmt, kommt es zum Kampf zwischen Eremo und seinem Nachfolger Simon Laquedeem. Schließlich holen die Metzger den Bischof und tragen ihn hinaus zum Volk. Zurück bleibt eine groteske Geistlichkeit, die sich in Völlerei, Angst und Obszönitäten selbst entlarvt – die eigentlichen „Ausgeburten der Hölle“.
Schauspiel
Übersetzung aus dem Französischen:
Fritz Montfort