Der Herr im Salonsteirer

Helmut Qualtinger

Stammtisch als Weltbühne
Ein älterer Herr sitzt in einem Wiener Beisl und hält einen endlosen Monolog über Politik, Geschichte und Gesellschaft. Zwischen Erinnerungen an den Jägerball, den Kaiser und alte Corpsbrüder schweift er von Witzen über die „Pille“ bis zu antisemitischen und nationalistischen Bemerkungen.

Er prahlt mit Verbindungen zu Ministern und Kommerzialräten, schwadroniert über Kriege, über Österreichs Rolle zwischen Ost und West und über den „Humanismus“, der angeblich alles erlaubt – außer Fanatikern. Während er trinkt und bestellt, verliert sich seine Rede zunehmend in grotesken Assoziationen zwischen Essen, Politik, Krankheit und Vergänglichkeit.