Ein vielschichtiges und dennoch leichtfüßiges Kammerspiel über die Macht der Verdrängung und die Liebe in dunklen Zeiten.
„‚Adolf, bitte‘ – DIE Wortkombination ist Ihnen auch noch nie über die Lippen gekommen.“
Der Vorname Adolf ist Chaim Eisenberg, Israeli mit deutschen Wurzeln, der zum Schifahren in einen beliebten Wintersportort gekommen, ein Dorn im Auge. Dieser Adolf Oberhuber, der mit saloppen Sprüchen Martins Gaststube betritt, ist jedoch der einzige Mann, der als Schachpartner für Chaim in Frage kommt. Nach anfänglichen Reibereien nähern sich die beiden Männer einer Geschichte, die weit in der Vergangenheit liegt und ein neues Licht auf beide Familien wirft.
ausführliche Beschreibung
Chaim Eisenberg, Israeli mit deutschen Wurzeln, ist zum Schifahren in einen beliebten Wintersportort in den österreichischen Alpen gekommen. Bestens versorgt von Wirt Martin, genießt er die alpinen Idylle. Nur eines fehlt: Ein Schachpartner, der ihm gewachsen ist. Nur ein Mann im Ort käme laut Martins Aussage dafür in Frage. Aber der trägt einen verhängnisvollen Vornamen: Adolf. Ein Adolf vor dem zweiten Weltkrieg, das kann man ja noch nachvollziehen, aber ein Adolf, der nach 1938 zu diesem Namen kam, löst bei Chaim Unverständnis und Skepsis aus. Doch die Aussicht auf einen ebenbürtigen Gegenspieler scheint über seine Vorbehalte zu siegen. Mit gemischten Gefühlen lässt er sich auf eine Probepartie ein.
Als Adi Oberhuber, der wie es hier Brauch ist den Namen des Großvaters trägt, ins Gasthaus schneit und zum Gruß ein amikales und im örtlichen Dialekt gebräuchliches „Heil - ich bin der Adolf“ loslässt, bleibt Chaim, der ebenfalls nach seinem Großvater heißt, kurz einmal die Sprache weg. Das Schach- Duo droht auseinanderzugehen, bevor es den ersten Zug gemacht hat. Doch nach einem kurzen verbalen Schlagabtausch erkennt Chaim, dass er seinen Gegner in jeder Hinsicht unterschätzt hat. Dieser Adolf ist umfassend gebildet und scheint für jemanden, der Ställe ausmistet, intellektuell überqualifiziert. Trotzdem kämpfen Chaim und Adolf gegen Anspielungen und Zweideutigkeiten, die der eine nun einmal anders hört als der andere sie zu sagen meint.
Zug um Zug wird klar: hinter der Schachpartie steckt mehr als die Lust am Spiel, und der Historiker Chaim hat Adolf nicht nur geholt, um mit ihm über berühmte Turniere fachzusimpeln und Figuren hin- und herzuschieben. Chaim scheint einer bestimmten Strategie zu folgen. Doch was ist sein Ziel? Ein altes Schachbrett und ein abgetragener Jägerhut werden zu bedeutenden Requisiten bei einer Spurensuche in verborgene familiäre Vergangenheiten. Eine Spur, der Adolf zunächst nur unwillig folgen will. Könnte es sein, dass die beiden mehr verbindet als die Leidenschaft für Springer, Bauer und König? Dass sie mehr gemeinsam haben als man denkt? Die Auflösung bringt Dinge ans Tageslicht, die zwar alle in der Umgebung schon wussten, aber betulich verschwiegen haben.
Stefan Vögel begibt sich auf eine Spurensuche in die Vergangenheit und erzählt zwei schicksalhaft verbundene Familiengeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit feiner Klinge streift Vögel dabei die Verdrängung einer nachkommenden Kinder- und Enkel-Generation, die zwar am Krieg keine Schuld trägt, jedoch bei genauer Betrachtung von den damaligen Ereignissen profitiert und sich mit unreflektierten Sprüchen auf ein Gewohnheitsrecht beruft, das ihr niemand gewährt hat. Und er erzählt eine einzigartige Liebesgeschichte, die der Nachwelt so manches Rätsel aufgibt.
„Das Stück ist pointiert wie eine Komödie und spannend wie ein Krimi. Unter seinem doppelten Boden beginnt die Finsternis.“
Fränkische Landeszeitung, 2024
„trotz witzig leichter Unterhaltung ein packendes, tiefsinniges Kammerspiel“
Die Rheinpfalz, 2023
„ein Stück mit Witz und Schwung und sehr gelungenen Charakteren … Schnaufend vor Entrüstung und doch wieder versöhnlich sind sie beide und liefern sich herrliche Wortgefechte und schürfen wie nebenbei in der Geschichte.“
Reutlinger Generalanzeiger, 2018