Ein poetischer Reigen über eines der widersprüchlichsten Frauenwesen der Kinoleinwand - Hedy Lamarr
"Ich bin der Wind. Kann man den Wind festhalten?"
Immer wieder spult sich eine Filmsequenz ab. Eine Frau läuft in einem Wald nackt von der linken auf die rechte Seite. Mit dieser Szene, die exakt sieben Sekunden dauert, ist Hedy Lamarr berühmt geworden. Und darauf wurde sie auch in alle Ewigkeit reduziert. Peter Turrini begibt sich auf eine innere Wesenssuche, die den Rahmen von Geburt und Tod der selbstzerstörten Schönheit zeitlich sprengt. Ein poetischer Reigen über eines der widersprüchlichsten Frauenwesen der Kinoleinwand, der über eine Lebensgeschichte zu einem literarischen Theaterstück hinauswächst.
ausführliche Beschreibung
Hedwig Kiesler. Geboren 1914 in Wien als Tochter eines jüdischen Bankiers aus Lemberg und einer jüdischen Konzertpianistin aus Budapest. Die Welt kennt sie als Hedy Lamarr: Schönste Frau der Welt und technische Erfinderin abbiegbarer Fußprothesen und einer Funkfernsteuerung für Torpedos. Dieses „freqency hopping“ fand seine spätere Anwendung in der heutigen Mobilfunktechnik bei Bluetooth-Verbindungen und GSM. Von Max Reinhardt für die Leinwand und das Theater entdeckt und gefördert.
Mit dem Film „Extase“ ist sie in die Filmgeschichte eingegangen. Ein kurzer Nacktauftritt von sieben Sekunden hat sie weltberühmt gemacht und die multitalentierte Schauspielerin und Begründerin der heutigen Telekommunikation damit auf ihren schönen Körper reduziert. Einen Körper, den sie immer neu erfinden wollte.
Peter Turrinis Stück beginnt im Wind und endet im Wind. Dazwischen wirbelt die Frau, die Hedy Lamarr ist, durch ein bewegtes, schwieriges Leben: Wien, Berlin, Frankreich, Prag, Rom, Hollywood, Altamonte. Auf der Wiener Höhenstraße bei Kilometer 21 will die Frau ihre Asche verstreut wissen. Denn nur im verkohlten Zustand könne man nach Wien zurückkehren. Jimmy, ein junger Cop aus Florida, der sie einst aufgelesen hat und von ihr zu trauter Zwiesprache erkoren wurde, soll ihr diesen Wunsch einer posthumen Rückkehr erfüllen. In einem poetisch-traurigen Reigen geht die Frau, die Hedy Lamarr ist, kurz vor ihrem Tod zurück zu ihren jüdischen Wurzeln. Zwei Jahre vor ihrer tatsächlichen Geburt flieht sie in einer fiktiven Zeitverschiebung als 12- jähriges Mädchen vor dem Pogrom von Osieczek, durchwandert die Städte der versinkenden österreichisch-ungarischen Monarchie und landet in Wien auf der Höhenstraße bei Kilometer 21. Dort legt sie sich erschöpft zur Seite und stirbt. Dort endet und beginnt das Leben der Frau, die Hedy Lamarr ist, in wechselnden Verkleidungen. Ein Leben, von dem der Welt für alle Ewigkeit sieben Sekunden in Erinnerung bleiben werden.
"Turrini versteht es, Dinge auf den Punkt zu bringen und auch so etwas wie Rührung zuzulassen, was er dieses Mal besonders der Cervik, der er das Stück gewidmet, also irgendwie auf den Leib geschrieben hat, zu verdanken hat. Ein gelungener Abend mit einer lachenden, höhnenden, flehenden, schmeichelnden, und, ja, auch bitteren Sandra Cervik."
FAZ
"Peter Turrinis Hommage an Hedy Lamarr ist eine artistische Mischung aus Stationen- und Psychodrama, an Sprachmusik reichem Herzkammerspiel, Tragikomödie über den Traum von der ewigen Jugend und Schönheit. Sandra Cervik meistert die Herausforderung des 90-minütigen Monologs durch ihre enorme Wandlungsfähigkeit, durch ihren permanenten Wechsel zwischen Tragik und Ironie grandios. Ein vielschichtiges Glanzstück!"
Kleine Zeitung