Ein deutsches Leben
(A German Life)
Basierend auf Gesprächen und Vorgesprächen mit Brunhilde Pomsel, für den Film Ein Deutsches Leben von Christian Krönes, Oliver S. Müller, Roland Schrotthofer und Florian Weigensamer, Deutsche Fassung: Sabine Pribil
Brunhilde Pomsel, 1911 im Berlin Kaiser Wilhelms geboren, erlebte eine „normale“ Kindheit in einer „normalen“ deutschen Familie der Mittelschicht. Sie erlernte den Beruf der Sekretärin und kam durch Vermittlung von Wulf Bley in die Abteilung Zeitfunk der Reichs-Rundfunkgesellschaft. Dafür trat die politisch völlig unineressierte junge Frau in die NSDAP ein. Ab 1942 arbeitete sie als Sekretärin im Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda.
2016 entstand der Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“. Basierend auf den originalen Interviews und Vorgesprächen hat Christopher Hampton einen eindrucksvollen Monolog montiert. Die Zeitzeugin Brunhilde Pomsel erzählt aus ihrer Sicht, aus der Sicht der „unpolitischen Mitläuferin“, ein wichtiges Stück Zeitgeschichte.
ausführliche Beschreibung
Nach Kriegsende wurde Brunhilde Pomsel von den Sowjets verhaftet und bis 1950 in den Speziallagern Buchenwald, Hochschönhausen und Sachsenhausen interniert. Nach der Haft arbeitete sie als Sekretärin beim Südwestfunk und bei der ARD. Brunhilde Pomsel starb am 27. Jänner 2017 im Alter von 106 Jahren.
Im Zuge von Recherchen über Joseph Goebbels wurden die Filmemacher Christian Krönes, Oliver S. Müller, Roland Schrotthofer und Florian Weigensamer auf die mittlerweile 101-jährige Brunhilde Pomsel aufmerksam. Es entstand der Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“. Hierin erzählt sie von den großen und den kleinen Ereignissen, vom Schrecken und von der Banalität des Bösen. Vom Handschlag zwischen Hindenburg und Hitler. Von den Olympischen Spielen und der schillernden Stadt Berlin. Von ihrer jüdischen Freundin Eva Löwenthal, von der man wusste, dass sie in Gefahr war, der man aber doch nicht hätte helfen können. Von Lebensmittelmarken und Vergünstigungen. Von Goebbels Rede im Sportpalast. Vom Kriegsende und der russichen Gefangenschaft. Vor allem aber erzählt sie vom „nicht Wissen“ und vom „gar nicht Wissen wollen“.
Ein deutsches Leben ist eine Mahnung an jede Generation, ohne den moralischen Zeigefinger der Nachwelt. So wie man „nicht nicht kommunizieren“ kann, kann man auch „nicht nicht politisch“ sein. Auch Schweigen und Ignorieren sind letztlich Akte der Zustimmung. Es ist die „Brunhilde Pomsel“ in jedem von uns, auf die wir achten müssen.
„A German Life“ wurde im April 2019 am Londoner Bridge Theater uraufgeführt. Maggie Smith feierte als Brunhilde Pomsel mit 84 Jahren eine triumphale Rückkehr auf die Theaterbühne.
„Basierend auf dem gleichnamigen Dokumentarfilm, hat der britische Dramatiker eine vielschichtige Studie über Brunhilde Pomsel geschaffen … eine unbedingt sehenswerte Chronologie einer schleichenden, gesellschaftlichen Radikalisierung. Parallelen zur Gegenwart sind absolut gewollt.“
Berliner Morgenpost, 2020
„Der britische Autor Christopher Hampton hat mit diesem Stück das Psychogramm einer Durchschnittsdeutschen in der NS-Zeit vorgelegt, das verstört und zum Nachdenken zwingt. In seiner Aussagekraft ist es ein außerordentlich wichtiges Stück und es sollte unbedingt ein sehenswertes Muss gerade für jüngere Theaterbesucher sein.“
Vorarlberger Nachrichten, 2023
„Der britische Dramatiker Christopher Hampton hat da ein so nachdrückliches wie einfaches Werk geschaffen.“
Kronen Zeitung, 2025
UA: 04. 2019, Bridge Theater London
DEA: 10.10.2020, Schlosspark Theater, Berlin