Ein Philantrop als Gegenpart zu Molieres Menschenfeind.
„Ich teile die Menschen in zwei Gruppen: Solche, die mit etwas leben, was sie selbst als Lüge durchschauen, und solche, die mit etwas leben, was sie fälschlicher Weise für die Wahrheit halten."
Eine bürgerliche Komödie des damals 23-jährigen Hampton im Zuge des explosiven Aufbruchs an den Universitäten Ende der 60-er Jahre! Philipp ist Professor der Philologie an einer englischen Universität. Er ist fasziniert von der Sprache und dem Umgang der Menschen mit dem Wort. Molieres misantroper Alceste verletzt durch verbale Attacken, Philipp durch seine Liebenswürdigkeit. Vor dem Hintergrund einiger Morde wird eine Rochade der Beziehungen erzählt. Ein vielbeachtetes Frühwerk Hamptons!
ausführliche Beschreibung
Philipp ist Professor der Philologie und lehrt an der Universität von Oxford. In seiner College-Wohnung lebt er in der Welt der Sprache und ist fasziniert vom Umgang der Menschen mit den Worten. Anagramme sind seine Leidenschaft, mit der er Kollegen und Schüler fasziniert. Als wahrer Menschenfreund sieht er in allem das Gute und hat erkannt, dass er es jedem recht machen will. Er hat die Welt bereist, hunderte Bücher gelesen und ist sich seines privilegierten Daseins bewusst. Weil ihm die Leere in seinem Zimmer langsam zu schaffen macht, hat er beschlossen, die junge Studentin Celia zu heiraten. Sein Freund und Kollege Don äußert Zweifel an der Verbindung und will Philipp mit der sanften Liz verkuppeln.
Nach einem Abendessen in Philipps Wohnung kommt es zu einer Rochade der Beziehungen: die nymphomanische Araminta bleibt bei Philipp, Celia rauscht mit dem dampfplaudernden Romancier Braham ab. Dabei finden die Seitensprünge, die nachwirkend zu Philipps und Celias Trennung führen, gar nicht statt. Philipp spricht auf Aramintas Reize nicht an und verletzt sie mit der naiv ausgesprochenen Wahrheit seines sexuellen Desinteresses. Und Celia steht unverrichteter Dinge im Schlafzimmer des eitlen Schriftstellers Braham, der seine anfängliche Eroberungslust bei der Lektüre über einen gefürchteten Literatenmörder und dem Ärger, dass er nicht auf dessen Opferliste steht, komplett vergisst. Nur Don scheint zu landen, denn er nimmt die stille Liz mit nach Hause und findet seine Theorie bestätigt, dass sich nur lieben kann, was nicht zueinander passt. Was bleibt von diesem Abend? Philipp muss erkennen, dass er bei aller Liebe zu den Worten unfähig ist, mit Menschen zu kommunizieren - und wohl weiterhin auf der Insel der hohen Bildung allein bleiben wird. Und das, bei aller Dekadenz, natürlich mit einer gewissen Eleganz.
Christopher Hampton hat seine bürgerliche Komödie im Zuge des explosiven Aufbruchs der Universitäten Ende der 60er Jahre geschrieben. Der damals 23-jährige Hampton sah seinen philantropen Protagonisten als Gegenpart zu Molières Menschenfeind. Der misanthrope Alceste verletzt seine Umwelt durch offensive Wortattacken, Hamptons Philipp durch seine Liebenswürdigkeit. Mit Freundlichkeit werden Worte gesagt, die in ihrer Milde dasselbe bewirken wie in ungezügelter Emotion. Vor dem Hintergrund einiger Morde wird mit subtilen Mitteln eine Beziehungsgeschichte erzählt, die nicht an äußeren Begebenheiten, sondern an der verbalen Offenlegung nicht vorhandener Gefühle zerbricht. Das Stück beginnt mit einem grotesken Unfall: Ein junger Autor erschießt sich beim Vorlesen seines Stücks versehentlich selbst. Das Abendessen, bei dem sich Beziehungen verändern, findet am Tag der Ermordung des Premierministers statt, und dann kommt auch noch ein Killer, der die berühmtesten Autoren des Landes umbringt, ins Geschehen. Hampton wirft viele Fragen über Wahrheit und Lüge auf und entlarvt den Weg vom Gedanken zum Wort, und vom Wort zur Tat.