Ein brisantes Kammerspiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit und Ost und West
„Jawohl, ich pflege niemals zu lügen ... Ich bin ein Mann. Ich bin konsequent und aufrichtig und korrekt und …"
Dreißig Jahre nach dem Mauerfall hat das Musterehepaar der deutschen Wiedervereinigung Holger und Peggy eine Krise. Corona hat die Welt auf den Kopf gestellt. Die Rollen sind vertauscht. Die ehemalige Hausfrau und Mutter bringt nach ihrem geglückten beruflichen Comeback das Geld nach Hause, der ehemalige Familienerhalter wird arbeitslos und steht am Herd. Täglich gibt es Krach. Neben den aktuellen Sorgen kehren alte Feindbilder zwischen Ost und West wieder. Und so wie DDR-Staatschef Ulbricht trotz gegenteiliger Aussage eine Mauer errichten ließ, so tun es Holger und Peggy in ihren eigenen vier Wänden. Niemand hatte die Absicht, dass es so weit kommt. Wird auch die private Mauer fallen? Ein brisantes Kammerspiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Ost und West.
ausführliche Beschreibung
Am Tag des Mauerfalls haben sie sich kennengelernt. Peggy aus dem Osten, und Holger aus dem Westen. Sie haben geheiratet, Kinder bekommen, das Glück war perfekt. So sollte es immer bleiben. Dreißig Jahre später holt sie die Vergangenheit ein, in einer Gegenwart, die einiges abverlangt. Ein Virus legt das Leben lahm. Die Welt steht Kopf. Auch in den eigenen vier Wänden.
In der DDR der 80-er Jahre war Peggy eine gefragte Funkanlagentechnikerin. Nach den Jahren im wiedervereinten Deutschland, die sie ausschließlich der Familie gewidmet hatte, entwickelt Peggy mit einem Kollegen aus DDR-Zeiten unter anderem spezielle Software für Videokonferenzen. Ihr Geschäft boomt. Holger war bis zum Ausbruch der Pandemie für den Verkauf von Alarmanlagen im Außendienst tätig. Damals, nach der Öffnung der Grenzen, erlebte seine Firma wahre Höhenflüge. Jetzt ist die Nachfrage eingebrochen. Niemand braucht Alarmanlagen. Wer kann, arbeitet von zu Hause, auch die Einbrecher bleiben daheim. Holger vermisst den persönlichen Kontakt zu seinen Kunden und leidet an der Verbannung ins Homeoffice. Die ersten Entlassungen in seiner Firma verheißen nichts Gutes. Außerdem hadert er mit dem veränderten Rollenbild in seiner Ehe. Peggy kann sich vor lauter Aufträgen nicht retten, sie ist den ganzen Tag unterwegs, während er zu Hause vor dem Computer hockt, putzt und kocht. Dauernd gibt es Streit. Dabei haben sie es im Vergleich zu anderen noch gut. Die Kinder sind aus dem Haus, und sie haben zwei Gehälter. Noch.
Als Holger seinen Job verliert, verschärft sich der Ton. Holger wirft Peggy ihre Ost-Mentalität vor, während sie die guten Seiten der ehemaligen DDR verteidigt. Plötzlich wird Materielles gegengerechnet, und die Atmosphäre verschlechtert sich von Tag zu Tag. Da hilft selbst Peggys neuentwickeltes Panorama-Smiley nichts. Die Grenze zwischen Ost und West scheint nie ganz gefallen zu sein, und die Dissonanzen verbreiten sich schlimmer als das allgegenwärtige Virus. Was niemand je wollte, tritt ein. Und was einst für ein ganzes Land zur Realität wurde, wird es nun für zwei Menschen. Das ehemalige Musterehepaar der deutschen Wiedervereinigung zieht eine sichtbare Trennlinie durch die Wohnung. Ab sofort wird über einen genauen Stunden- und Lageplan kommuniziert. Als Holger eines Tages aus dem „Westen“ über die Mauer ruft, bekommt er keine Antwort aus dem „Osten“...
Eine Liebesgeschichte über drei Jahrzehnte. Zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Zwischen Ost und West. Mauern sind gefallen, andere werden errichtet. Stefan Vögel begleitet ein Ehepaar Mitte fünfzig durch sein schlimmstes Tief. Über wechselnde Zeitsprünge verknüpft er die zwischenmenschliche Problematik der deutschen Wiedervereinigung mitten im Wohnzimmer mit einer globalen Krise. Scheinbar längst überwundene Ressentiments vergiften den Alltag. Die Mauer, deren Fall einst bejubelt wurde, wird dreißig Jahre später freiwillig auf privatem Boden errichtet. Wird auch sie wieder fallen?